
GND-Nummer
11856594X
Siehe auch
Krafft, Adam
- * 1493 Fulda, † 9.9.1558 Marburg, evangelisch-lutherisch
Prof. – Theologe, Professor, Reformator, Superintendent -
Weitere Namen
- Crato, Adamus
- Fulda, Adam von
- Kraft, Adam
- Vegetius, Adamus
- Crafft, Adam
- Wirken
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Studium
- 1512 Studium an der Universität Erfurt
- 1514 Baccalaureus an der Universität Erfurt
- 1519 Magister an der Universität Erfurt
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Akademische Vita
- Marburg, Universität · Theologische Fakultät · Theologie · Professor · 1527-1558
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Akademische Ämter
- 1529, 1540, 1553, Rektor der Universität Marburg
- 1536 erster Dekan der Theologischen Fakultät an der Universität Marburg
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Werdegang
- Besuch der Klosterschule zu Fulda und der Lateinschule zu Neuburg (Donau)
- 1512 Studium in Erfurt
- 1514 Baccalaureus in Erfurt
- 1519 Magister in Erfurt
- 1521 Vikar in Fulda
- 1522-1525 Prädikant an der Parochialkirche in Fulda
- 1525 kurze Zeit Prediger in Hersfeld und Feldprediger des Landgrafen Philipp vor Mühlhausen
- 15.8.1525 Hofprediger in Kassel
- etwa 1526 Eheschließung mit Afra Ibach
- 1526 Visitator der Klöster und Begründer der Gotteskasten
- 20. Oktober Teilnahme an der Synode zu Homberg (Efze)
- 30.5.1527-1558 Professor der Theologie an der Universität Marburg
- 1529 genannt scholasticae praefecturae administrator
- 1530 Superintendent an der Loyne
- 1536 erster Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Marburg
- unterschreibt 1539 die Hessische Kirchenzuchtordnung von Ziegenhain
- 1540 ecclesiarum Hassiacarum praeses
- etwa 1548 Eheschließung mit Afra Weißmann
- 1553 inspector ecclesiarum Hassiae
- 1558 episcopus sive visitator summus
- 1550 richtet er eine Bücherei in der Pfarrkirche in Marburg ein und leiht der Stadt selbst Geld hierfür
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Funktion
- Marburg, Universität, Rektor, 1529
- Marburg, Universität, Theologische Fakultät, Dekan, 1536 (1. Halbjahr)
- Marburg, Universität, Rektor, 1540 (1. Halbjahr)
- Marburg, Universität, Rektor, 1553 (2. Halbjahr)
- Familie
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Vater
Krafft, Hans, Bürgermeister in Fulda
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Partner
- Ibach, Agnes, Heirat Marburg ca. 1526, lebt 28.2.1575, Tochter des Ludwig Ibach, Krämer
- Weißmann, Afra, Heirat Marburg ca. 1548, Witwe des N.N. Scheerer
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Verwandte
- Orth, Charitas, geb. Krafft <Tochter>, verheiratet 8.4.1548 mit Henrich Orth
- Krafft, Nathanael <Sohn>, † Kirtorf 1578, Magister in Wittenberg, Prediger in Korbach, verheiratet 1553 mit Elisabeth Weißhaupt, aus Amöneburg
- Krafft, Theophilus <Sohn>, 1553 imm. Wittenberg, Magister, Prediger in Gladenbach, verheiratet April 1558 mit Marie Wiederhold, aus Homberg (Efze)
- Krafft, Philipp <Sohn>, ist noch 1587 Pfarrer in Cappel, verheiratet 1560 mit Agnete Spitzenberger, aus Lauterbach
- Krafft, Helvicus <Sohn>, 1530 Student in Marburg
- Krafft, Adam <Sohn>, 1559 Student in Marburg
- Krafft, Caspar <Sohn>, Magister, 1553 Student in Marburg, Jurist in Marburg, hat zwei Söhne Gebhard und David
- Krafft, Nicolaus <Sohn>, 1588 Pfarrer in Blasberg, Kreis Wetzlar
- Orth, Henrich <Schwiegersohn>, * Caldern, † Marburg 22.6.1575, Physiker, Theologe, Professor an der Universität Marburg
- Nachweise
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Quellen
- Kurt Stahr, Marburger Sippenbuch, Nr. 8561
- HStAM, 22 a 1, 80: Korrespondenzen von Adam Krafft, u.a. mit Landgraf Philipp und Kanzler Feige, 1525-1533
- HStAM, 22 a 1, 61: Tod von Adam Krafft und Wahl eines neuen Superintendenten in Marburg, 1558
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Literatur
- Johannes Schilling, Adam Krafft, der erste hessische Landesbischof. In: Fuldaer Geschichtsblätter 70 (1994), S. 87–100.
- Neue deutsche Biographie, Bd. 12, Berlin 1980, S. 646 f. (Winfried Zeller)
- Fulda – das Stadtlexikon, Fulda [2019], S. 287 (Brigitte Busold)
- Mott, Leben für die Reformation
- F. W. Strieder, Grundlage zu einer hessischen Gelehrten- und Schriftsteller-Geschichte, Bd. II, S. 378-385
- Gundlach, Catalogus professorum academiae Marburgensis 1, Von 1527 bis 1910, Marburg 1927, S. 4; Die Kurzbiographie von Franz Gundlach, in: Catalogus professorum Academiae Marburgensis Band 1, S. 4 steht als PDF-Datei bereit.
- C. Graepeler, Imagines professorum Academiae Marburgensis, 1977, Nr. 2
- O. Hütteroth, Die althessischen Pfarrer der Reformationszeit, 1953 S. 184-186
- W. Schäfer, Adam Krafft, der Reformator Hessens, Bildungsgang und Wirksamkeit bis zum Jahr 1530, 1911
- W. Schäfer, Adam Krafft, Landgräfliche Ordnung und bischöfliches Amt, 1976
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Bildquelle
„Adam Krafft“ (Federzeichnung · 25,4 x 30,9 cm, beschnitten), in: Ferdinand Justi, Icones Professorum Marpurgensium. Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Philipps-Universität Marburg (Inventar-Nr. 28.177) / Foto: Bildarchiv Foto Marburg (Thomas Scheidt)
- Zitierweise
- „Krafft, Adam“, in: Professorenkatalog der Philipps-Universität Marburg <https://www.lagis-hessen.de/de/pkatng/details?id=5624> (Stand: 24.8.2026)
- Leben
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Adam Krafft (Adam Crafft, Adamus Crato Fuldensis, Adam von Fulda, Adam Kraft, Adamus Vegetius) wurde 1493 in der Stadt Fulda im heutigen Osthessen geboren, die damals das Zentrum der gleichnamigen Reichsabtei (faktisch Hochstift) war.
Er stammte aus einer Familie der Oberschicht seiner Heimatstadt, denn sein Vater war der Fuldaer Bürgermeister Hans Krafft. Der Name seiner Mutter ist unbekannt.
Adam Krafft ging zunächst auf die berühmte Klosterschule zu Fulda, wo er ein Schüler des Humanisten und Theologen Crotus Rubeanus war.
Daraufhin besuchte er die Lateinschule zu Neuburg an der Donau.
Dann begab sich Krafft 1512 an die mainzische Universität Erfurt in Thüringen, wo er im Herbst 1514 Baccalaureus und Anfang 1519 Magister wurde. Dabei betrieb er gründliche Studien der klassischen Sprachen und schloss sich einem Freundschaftsbund junger, mitteldeutscher Humanisten um Mutianus Rufus an, zu dem etwa noch Eobanus Hessus und Euricius Cordus gehörten. Außerdem freundete sich Krafft mit Joachim Camerarius dem Älteren an. Er selbst nannte sich nun latinisiert Adamus Crato Fuldensis („Adam Krafft von Fulda“).
Daraufhin lernte Adam Krafft auf der Leipziger Disputation vom 27. Juni bis 16. Juli 1519 die Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon kennen, was ihn entscheidend prägte. Denn von ihnen inspiriert setzte sich nun auch er ab 1520 in seinem Studienort Erfurt wortgewaltig für die Gedanken der Reformation ein, wobei er 1522 bis Anfang 1525 als Prädikant an der Parochialkirche wirkte.
Währenddessen begann Adam Krafft 1523 aber auch in Fulda mit einem ebenfalls von dort stammenden Geistlichen mit der Verkündung der neuen Glaubenslehre, indem er dort unter großem Zulauf des Volkes lutherisch predigte. Doch wurde Krafft im Folgejahr 1524 von der hohen Fuldaer Geistlichkeit vertrieben, worauf er wie sein Mitprediger ins nördlich benachbarte Hersfeld zog.
Adam Krafft hatte sich nach seiner Ausweisung nicht zufällig für die Kapitale der Nachbarabtei Hersfeld als Asyl entschieden. Denn an der dortigen Stadtkirche hatte schon im Winter 1520/21 der Weltgeistliche Heinrich Fuchs begonnen, das Evangelium lauter und klar zu predigen – so früh wie sonst nirgends im heutigen Hessen. So nahm man 1524 auch Krafft in der Stadt Hersfeld freundlich auf, was sicher mit Einwilligung Abt Cratos I. geschah. Nun wurde Krafft gemäß W. Neuhaus der eigentliche Reformator Hersfelds, da von dieser außerordentlichen Persönlichkeit starke und tiefe Wirkungen ausgegangen seien. In Wahrheit ist freilich die Bedeutung Kraffts für Hersfeld zu relativieren, da er dort nur für kurze Zeit als Prediger tätig war und so kaum reformatorisch wirken konnte.
Als 1525 der Bauernkrieg auch für Erhebungen in Hersfeld und Fulda sorgte, mahnte Krafft erfolgreich zur Besonnenheit. Wohl auch deshalb bereuten die Fuldaer seine Vertreibung. Denn als Landgraf Philipp den Aufstand in Fulda – wie Hersfeld – noch 1525 niedergeschlagen hatte, baten ihn Koadjutor, Bürgermeister und Rat der Stadt nach einer leicht modernisierten Wiedergabe von W. Neuhaus, in Anbetracht der jetzigen ärgerlichen, freventlichen und aufrührerischen Zeiten, die so dringend erfordern, das heilige Evangelium unvermischt, rein, lauter und klar zur Wiederaufrichtung des wahrhaftigen christlichen Glaubens und echter, ungefärbter Bruderliebe zu verkündigen, ihnen doch den Magister Adam Krafft aus Hersfeld wieder zuzusenden. Zu dem Magister Adam Krafft – so schrieben sie einige Tage später an Philipp – hätten die fuldischen Untertanen, zumal er ein Landeskind sei, volles Vertrauen. Der Koadjutor Johann III. von Henneberg-Schleusingen wandte sich auch an den Kanzler des Landgrafen, bei seinem Herrn ihre Bitte wegen des Magisters Krafft zu befürworten, dieser solle in Fulda die Pfarre versorgen und einen ehrlichen Stand haben, denn das Volk sei nach dem Worte Gottes sehr hungrig.
Doch entsprach Philipp der Bitte der Fuldaer nicht. Denn als er Krafft in Hersfeld predigen hörte, ernannte er ihn auf der Stelle zu seinem Hofprediger.
Nun wurde Adam Krafft zu einem geistlichen Vertrauten des hessischen Landgrafen, was schon gemäß W. Neuhaus sicher für dessen bald folgenden offenen Übertritt zur neuen Lehre der Reformation von wesentlicher Bedeutung war.
Zunächst war Krafft im Mai 1525 offenbar Feldprediger Philipps vor Mühlhausen.
Am 15.8.1525 stieg er dann eben zu dessen Hofprediger in Kassel auf.
1526 begleitete er den Landgrafen zunächst auf den vom 25. Juni bis 27. August statt-findenden Reichstag zu Speyer und nahm anschließend am 20. Oktober an der für die hessische Reformation grundlegenden Synode zu Homberg (Efze) teil. Daraufhin machte ihn Philipp zum Visitator der Klöster und Begründer der Gotteskasten.
Auf Grundlage seiner Arbeit wurden dann 1527 die über 50 Klöster auf dem Gebiet der Landgrafschaft aufgehoben, worauf ihre Mittel für die Versorgung der unverheirateten Töchter des hessischen Adels (Kaufungen und Wetter), die Einrichtung und Unterhaltung von Stadthospitälern (etwa in Hofgeismar) und der Landeshospitäler für Sieche, Blinde und Geisteskranke in den bisherigen Klöstern Haina und Merxhausen verwendet wurden. Zudem nutzte man die Mittel für Schulen und Pfarreien sowie vor allem in Marburg für die Gründung der ersten protestantische Universität der Welt.
Schließlich führte Krafft am 30.5.1527, dem Himmelfahrtsfest, in der Pfarrkirche zu Marburg an der Lahn den evangelischen Gottesdienst ein. Am gleichen Tag wurde er zum Professor der Theologie an der neuen Marburger Universität berufen.
In Marburg heiratete Adam Krafft zunächst etwa 1526 Afra Ibach. Aus dieser Ehe gingen eine Tochter und fünf Söhne hervor.
Allerdings starb die Mutter dann schon 1544. Daraufhin ehelichte Adam Krafft etwa 1548 ebenfalls in Marburg Afra Weißmann, die Witwe eines gewissen Herrn Scheerer. In ihrer jeweils zweiten Ehe hatte das Paar nun noch drei Söhne und eine Tochter.
In seiner Zeit als Professor der Theologischen Fakultät der Universität Marburg (1527-1558) bekleidete Adam Krafft auch weitere Positionen an seiner Lehranstalt:
So amtierte er 1529, im 1. Halbjahr 1540 und im 2. Halbjahr 1553 als Rektor.
Zudem war er im 1. Halbjahr 1536 erster Dekan der Theologischen Fakultät.
Ebenfalls 1527 wurde Adam Krafft in Marburg „Superintendent an der Lahn“, als welcher er dann bei der Reformation der Klöster mitgewirkt und durch Kastenordnungen die wirtschaftlichen Verhältnisse der Gemeinden regelte.
Wenig später wurde zwar auf Betreiben des Schweizer Reformators Ulrich Zwingli das bisher Krafft zustehende Recht zur Prüfung der Pfarrer an die Theologische Fakultät zu Marburg übertragen und gleichzeitig trat neben das Superintendentenamt eine synodale Ordnung, doch übte Krafft als Generalvisitator weiterhin den entscheidenden Einfluss auf den Ausbau der evangelischen Kirche in Hessen aus.
1529 wurde er scholasticae praefecturae administrator („Verwalter der schulischen Präfekturen“) genannt.
Im Folgejahr 1530 erschien er weiterhin auch als Superintendent an der Loyne.
Durch die Kirchendienerordnungen von 1531 und 1537 wurden die Kompetenzen für das Amt des Superintendenten weiter ausgebaut. In Hessen leiteten neben Krafft in Marburg fünf weitere Superintendenten in Kassel, Alsfeld, Rotenburg, Darmstadt und St. Goar in ihrem Gebiet die Kirche und visitierten die Gemeinden. Sie wurden durch eine übergeordnete Synode verbunden, in der sie jährlich mit den gelehrtesten und geschicktesten Pfarrern zusammenkamen. 1532 erließ man die Gottesdienstordnung als erste Ordnung der neu eingesetzten Superintendenten auf der Homberger Synode.
Nachdem Landgraf Philipp 1538 den Reformator und Humanisten Martin Bucer zur Vermittlung mit den Täufern nach Hessen gerufen hatte, versuchte jener durch Einführung des Ältestenamtes und der Konfirmation die Verantwortung der Gemeinden zu stärken. Diesem Vorschlag stimmte auch Krafft zu, indem er 1539 die Ziegenhainer Zuchtordnung mit unterzeichnete.
1540 wurde Krafft als ecclesiarum Hassiacarum praeses („Präses der hessischen Kirchen“) bezeichnet.
Später konnte er im Streit mit dem Theologen Theobald Thamer um die von dem gefangenen Landgrafen gewünschte Durchführung des Interims von 1548 auf die durchaus konservative Marburger Gottesdienstordnung verweisen.
1550 richtete Krafft eine Bücherei in der Pfarrkirche in Marburg ein und lieh der Stadt selbst Geld dafür.
1553 hieß er inspector ecclesiarum Hassiae („Inspektor der Kirchen von Hessen“).
1558 wurde Krafft sogar als episcopus sive visitator summus („Höchster Bischof oder Visitator“) bezeichnet.
Bei alledem erwies sich Kraffts überragendes Verhandlungsgeschick aber ebenfalls in der Nachbarschaft förderlich bei der Einführung der Reformation in Göttingen, Höxter, Waldeck, Korbach und Frankfurt am Main sowie in der Grafschaft Wittgenstein.
Schließlich starb Adam Krafft am 9.9.1558 in Marburg.
Am dritten Tag, dem 11.9.1558, fand eine Trauerfeier statt, bei der man eine bald gedruckte Leichenpredigt hielt. Anschließend wurde er in der Marburger Pfarrkirche „vor dem alten Predigtstuhl"1 beigesetzt.
Stefan Alles (bearbeitet: Simon-A. Göllner)
- Wikipedia, Z. 20 ↑