Einzeldatensatz

Hessen-Darmstadt, Friedrich Landgraf von

* 28.2.1616 Darmstadt, † 19.2.1682 Breslau heute Wrocław (Polen), evangelisch; katholisch
Kardinal, Fürstbischof
Wirken

Werdegang

  • geboren als jüngstes Kind seiner Eltern
  • 1625 in Marburg immatrikuliert
  • 29.12.1627 zum Rektor der Universität Marburg gewählt
  • September 1628 mit seinem Bruder Heinrich in Italien (Siena)
  • Januar 1629 Consiliarius der Deutschen Nation in Siena
  • seit 1635 in Rom, 1637 durch Holstenius für die katholische Konfession gewonnen
  • 11.1.1637 Ritter des Malteser und Johanniter-Ordens
  • 30.4.1638 Coadjutor des Johanniterpriors für Deutschland, Hartmann von der Tann
  • Admiral der Malteser-Flotte, 1640 Sieg bei Goletta
  • 1646/1647 in Kriegsdiensten der Niederlande
  • 1648 Großprior der Malteser für Ober- und Niederdeutschland in Heitersheim
  • 1652 Kardinal-Diakon, kaiserlicher Vertrauensmann in Rom
  • 1656 General der Römischen Kirche
  • 1666 Kardinalprotektor von Aragonien, Deutschland und Savoyen bei der Kurie
  • 1667 Kaiserlicher Gesandter (Orator Imperialis)
  • 1668 Domdechant von Breslau
  • 3.9.1671 Fürstbischof zu Breslau
  • 1675 auch Kaiserlicher Landeshauptmann von Ober- und Niederschlesien
  • ließ in Breslau die Elisabethenkirche erbauen

Funktion

  • Marburg, Universität, Rektor, 1628
Familie

Vater

Hessen-Darmstadt, Ludwig V. „der Getreue“ Landgraf von, * Darmstadt 24.9.1577, † Darmstadt 27.7.1626, Sohn des Landgrafen Georg I. von Hessen-Darmstadt, * Kassel 10.9.1547, † Darmstadt 7.2.1596

Mutter

Brandenburg, Magdalena Prinzessin von, 1582–1616, Tochter des Johann Georg Kurfürst von Brandenburg

Verwandte

Nachweise

Literatur

Bildquelle

HStAD Best. R 4 Nr. 19440

Zitierweise
„Hessen-Darmstadt, Friedrich Landgraf von“, in: Professorenkatalog der Philipps-Universität Marburg <https://professorenkatalog.online.uni-marburg.de/de/pkat/idrec?id=5820> (Stand: 25.3.2024)
Leben

Der jüngste Sohn Landgraf Ludwigs V. war schon seit Ende 1625 zusammen mit Bruder Heinrich an der Universität Marburg immatrikuliert. Wie zuvor Heinrich wurde er zur Jahreswende 1627/28 zum „Rector magnificus“ gewählt. Bereits im September 1628 reisten die Brüder zur Fortsetzung ihrer Studien nach Italien und wurden Anfang 1629 in Siena eingeschrieben. Nach dem Tod des Bruders im Herbst des Jahres übernahm Friedrich das Amt des „Consiliarius“ der „Deutschen Nation“, reiste aber schon bald weiter nach Rom und Neapel und startete mit Hofmeister Kurt von Lützow im Juni 1631 eine ebenfalls gut zweijährige Tour nach Frankreich. Trotz der kriegsbedingten Notlage der Landgrafschaft ließ er sich nicht von der nächsten Reise abbringen, die 1634/35 über Paris/Lyon/Marseille abermals nach Rom führte. Erneuerte Kontakte zur päpstlichen Kurie, insbesondere zu den Kardinälen Barberini und Mauricio von Savoyen, und der Wunsch, dem auf Malta besuchten Johanniter-Orden beizutreten, führten Anfang 1637 zum mit Papst Urban VIII. gefeierten Übertritt zur katholischen Kirche, dem im Mai in Malta die Aufnahme in den Orden und im Folgejahr die Bestellung zum Adjunkt des Johanniter-Großpriors für Deutschland folgten. Die Übernahme des angebotenen Generalats über die Ordensflotte im Seekrieg gegen die Türken verzögerte sich mit der Beschaffung des dazu notwendigen Geldes beim Bruder in Deutschland. Immerhin gelang dem inzwischen 24jährigen Ordensgeneral im Sommer 1640 die Wegnahme von sechs Türkenschiffen bei Goulette vor Tunis, die mit einem Kolossalgemälde im Großmeisterpalast in La Valetta als „Seesieg“ gefeiert wird.

Nach Unstimmigkeiten in Rom bemühte sich Friedrich in Wien und Madrid vergeblich um eine lukrativere Stellung und übernahm dann 1646 ein Feldkommando bei den spanischen Truppen in den Niederlanden. Dort blieb er zunächst auch nach Kriegsende, da das Leben in Brüssel und Spa offenbar attraktiver war als die Ende 1647 freigewordene Großpriors-Stelle im Breisgau. Zur Feier des Jubeljahrs 1650 ging es erneut nach Rom. Eine absurde Episode war der Ende 1651 unternommene Versuch Friedrichs, von der Johanniter-Kommende Mainz aus mit einer vom befreundeten Domherrn Philipp Ludwig von Reiffenberg angeheuerten Truppe einen Handstreich auf die Festung Rüsselsheim zu unternehmen, um vom Darmstädter Bruder Georg höhere Zahlungen zu erpressen. Durch Vermittlung von Kaiser und Mainzer Erzbischof kam es zu einem Vergleich, und Friedrich ging zurück nach Heitersheim. Obwohl die lang erstrebte Erhebung zum Kardinal bereits im März 1652 gemeldet wurde, reiste er erst zum nächsten Konklave Anfang 1655 wieder nach Rom, wo er vom neuen Papst Alexander VII. zu Jahresende mit dem feierlichen Empfang der konvertierten Schweden-Königin Christine betraut wurde. Das ständige Bemühen um weitere Pfründen brachte ein Priorat in Sizilien, eine Abtei in Capua sowie Domherrenstellen in Olmütz und Toledo. Zwecks Antritt entsprechender Kanonikate in Köln und Lüttich reiste Friedrich im Sommer 1658 nach Deutschland; aus dem zunächst nur kurzen Zwischenstop in Heitersheim wurde ab Spätsommer 1659 eine fast achtjährige Residenz. Nachdem Bemühungen um die freigewordenen Bischofsstühle in Straßburg und Augsburg und das ebenfalls vakante Deutschmeistertum in Mergentheim gescheitert waren, ging Friedrich erneut nach Rom, wo er ab 1666/67 im Palazzo Cesi als Gesandter oder „Protector“ für Deutschland, Aragon und Savoyen, nach dem erneuten Papstwechsel auch offizieller Botschafter des Kaisers Hof hielt. Kaiser Leopold unterstützte ihn denn auch bei der Wahl zum Bischof von Breslau im Sommer 1671, eine Stellung, die er trotz der Anfang 1673 in Rom vollzogenen Bischofsweihe erst im Herbst 1676 antrat, nachdem ihn der Kaiser zusätzlich zum Obersthauptmann von Schlesien ernannt hatte. Für die in Breslau installierte pompöse Hofhaltung blieben allerdings keine fünf Jahre. Beim Tod des Kardinal-Bischofs, an den die von ihm gestiftete barocke Elisabeth-Kapelle im Breslauer Dom erinnert, blieben 16 freiwerdende Pfründen und stattliche Restschulden in Rom und Heitersheim. In Darmstadt war man wenig begeistert, dass er seine aufgelaufenen Deputatforderungen dem gleichnamigen Vetter in Homburg vermacht hatte.

Eckhart G. Franz

(Text identisch mit: Franz, Das Haus Hessen, S. 280-282)